Bürgerprofile Freiberg / Lipsia-Präsenz-Verlag, Delitzsch, 2004, S. 274

Dr. Thomas Müller 
Künstlername: T.M. Rotschönberg
Tel.: 037324-7524
e-mail: rotschoenberg@freenet.de


DIE "BILDFANGEISEN" FÜR DEN BETRACHTER

Er will keine Gefühle in Malerei übertragen, keine Wut sich austoben, keine Seelenzustände in Farben fließen lassen. Sein Ziel ist Gestaltung in Form und Farbe. Und so beginnt er seine Bilder mit abstrakten Farbelementen, setzt Grundkontraste und Akzente, wählt ein Zentrum, baut dem Betrachter Wege durch das Bild, legt Barrieren dazwischen, damit das Interesse nicht erlahmt und erreicht auf diese Weise eine Synthese von konstruktivistischer und informeller Malerei, die landschaftlich interpretierbar ist.
T.M. Rotschönberg wurde 1961 in Karl-Marx-Stadt geboren. Seit seiner Kindheit beschäftigte er sich intensiv mit Malerei, aber auch mit Mathematik und später mit Chemie. Nach Lehrausbildung zum Facharbeiter, Armee und Abitur begann er 1981 ein Chemiestudium in Freiberg. Er war nicht der Student, der angebotene Lösungen hinnahm, er prüfte und hielt nach neuen Möglichkeiten Ausschau. Da er auch auf dem gesellschaftswissenschaftlichen Sektor einen unbestechlichen Standpunkt bezog, sich ideologisch nicht beeinflussen, noch sein Handeln durch Sachzwänge dirigieren ließ, geriet er mit den repressiven etablierten Strukturen und ihren Hütern in Konflikt. Sie holten ihn zu Verhören, doch es gelang ihnen nicht, ihn in die Isolation zu treiben. Dass er nach einer kurzen Pause seit 1984 wieder verstärkt malte, ist auch als eine Wehr gegen diese Erfahrungen zu verstehen. Als Diplomchemiker nahm er eine Aspirantur an der Sektion Chemie auf und entwickelte im Rahmen seiner Doktorarbeit ein Syntheseverfahren für Flotationsmittel, welches patentiert wurde. Die Psychoanalyse, mit der er sich seit 1982 beschäftigt hatte, wurde zum Gegenstand seines stärksten Interesses, was seinen Ausdruck fand in einer 150 Seiten langen Niederschrift mit dem Thema: "Die Definierung einer gesunden Persönlichkeit und deren gesellschaftlich notwendige Rahmenbedingung aus dem Blickwinkel der Psychoanalyse", die er als promotionsbegleitende Arbeit an der Sektion ML einreichen wollte. Als er 1990 seine Dissertation mit magna cum laude verteidigte, war die DDR nicht mehr präsent, doch der Inhalt jener philosophischen Arbeit ist nicht weniger relevant geworden. Zu diesem Zeitpunkt wohnte er bereits nach dem Erwerb einer verwahrlosten Fabrikantenvilla im Muldental bei Obergruna, wo er als freischaffender Maler seinen Lebensentwurf zu verwirklichen sucht. Auf Schloss Augustusburg wurde 1999 ein von ihm komponiertes Orchesterwerk aufgeführt und auf CD mitgeschnitten.