Katalog Kunstraum Mittelsachsen

T. M.Rotschönberg, Bergmannweg 91, 09634 Siebenlehn

1961 in Karl-Marx-Stadt geboren
seit 1985 regelmäßige Einzelausstellungen
seit Promotion in organischer Chemie (1990) als freischaffender Maler in Obergruna

Das Aufkommen des Informel ist als Fortsetzung und Endpunkt einer Entwicklung der Verselbständigung der künstlerischen Mittel, über die Befreiung von der Lokalfarbe (van Gogh), der Tiefenillusion (Matisse), dem Gegenstand (Kandinsky) verlaufend, in der Befreiung von der Form an sich und im Erreichen der autonomen Bedeutung des Farbmaterials ein kunstgeschichtlich zwangsläufiger Schritt, ganz im Gegensatz zu dessen 40-jähriger Herrschaft unter dem Pseudonym des Abstrakten Expressionismus, bei der sich des Bankiers Genugtuung über dessen Beliebigkeit, des strebenden Künstlers unbewusster Anpassungswunsch, das Desinteresse breitester Bevölkerungsschichten und eine gezielte Manipulationsstrategie der kalten Krieger legierte, die nicht nur den soz. Realismus, sondern jede engagierte Kunst als plump und pathetisch disqualifizierte und wird zum Spiegelbild ökonomischer Realität: die "Kunstform der Freiheit" als totalitäre Doktrin. 
Die Straffung der Malmaterie wieder bis zur Form oder gar zur interpretierbaren Form ist - wenn nicht restaurativ beabsichtigt - eine Negation der Negation im dialektischen Sinne, eine ÜBER-WINDUNG. Hier liegt der Ausgangspunkt meines Bemühens, nämlich der bewusste Gebrauch der befreiten künstlerischen Mittel zur Schaffung eines Gebildes allgemeingültiger Ästhetik, einer "reinen Malerei", deren Inhalt ein malereiimmanenter ist, gleichgültig, ob das Resultat gegenständlich interpretiert wird. Während aus künstlerischem Blickwinkel das legitim und hinreichend erscheint, ahne ich, dass dies mir vorerst nur als Übung dient, denn Blickwinkel ist das eine aber Motiviertheit das andere, und diese kann ich nicht auf eine rein künstlerische eindämmen. Ich wäre am Ziel, sollte es mir einst gelingen, ein politisches Bild zu malen, das von dem genannten Ursprung herkommt und darüber hinaus als Waffe in seiner Schönheit für und seiner Kritik gegen etwas tauglich ist.

T.M. Rotschönberg